Das Rollenspiel

   
 


 

 

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The Never Never Land

Winterwonderland

 


     
 

Das Rollenspiel

Feuerchen:

 

Ein letztes Mal stand er vor dem Spiegel. Selbst ohne Maske erkannte er sich kaum wieder. Die karamellblonden Haare mal ausnahmsweise halbwegs zurechtgemacht, ein Anzug, der so gar nicht sein Niveau war, ersetzte schlichtes Shirt und eine lockere Hose, was er sonst immer trug. Und ein weiteres Mal fragte Luke sich, wieso er das hier alles überhaupt tat? Als sein Blick dann aber auf ein gerahmtes Bild fiel, das einen Mann in Smoking zeigte, viel ihm der Grund sofort wieder ein. Sein Vater. Eigentlich war er nie zu Hause. Aber ihm war es – als Politiker – unheimlich wichtig, wie er vor den anderen Menschen dastand. Dazu gehörte auch ein entsprechendes Verhalten seines Sohnes hinzu, dem Luke selten Gerecht wurde. Stadt eine gewöhnliche Party zu besuchen, sollte er nun also auf einen Maskenball gehen. Sicher gab es dort auch genug Möglichkeiten, sich daneben zu benehmen. Aber sobald das geschehen würde, dann war Luke sich ziemlich sicher, zur Adoption freigegeben zu werden.
Er seufzte leise, setzte dann ein schelmisches Grinsen auf und verschwand aus dem protzigen Haus. Er würde tun, was er wollte. Auch an diesem Abend. Ein Vater, der sich nicht darum kümmerte, dass sein Sohn versorgt war, der brauchte sich auch verdammt noch mal nicht darum zu kümmern, ob sein Sohn sich gut verhielt.
Ein ungeduldiges Hupen ertönte, als Luke die Haustür hinter sich schloss und mit seiner Maske in der Hand auf ein Auto zulief. Zufällig genau das Auto, von dem dieser Laut gekommen war. Es gehörte seinem besten Freund Sean, der den Auftrag erhalten hatte, ihn abzuholen.
Luke lachte bereits, als er sich locker in den Wagen schwang und die Tür ungestüm zuwarf. °„Wollen wir mal sehen, wie gepflegt es auf so einem Maskenball wirklich zugeht" meinte er verheißungsvoll, anstelle einer anderen Begrüßung.

Lange dauerte die Fahrt nicht. Der Saal, in dem die Veranstaltung stattfinden würde, befand sich nur einen Block weiter. Dennoch lachten die beiden Jungs, als der Motor des Wagens verstummte. Nachdem Luke sich abgeschnallt hatte, nestelte er etwas unbeholfen an seiner Maske herum, bis er sie so zurecht gemacht hatte, dass er sie schnell überstreifen konnte. Ein weiter Grund, nicht so sehr aufs eigene Benehmen zu achten. Am Ende erkannte ihn ja eh keiner. Mit der prächtigen, verschnörkelten weiß goldenen Maske sowieso nicht. „Du solltest jetzt bloß nicht den Fehler machen mich auszulachen. Das hier war nämlich die beste halbwegs hetero-Maske, die ich finden konnte. Da will ich sehen, ob du was Besseres hast" witzelte Luke halb im Ernst, halb aus Spaß, ließ aber keine Möglichkeit mehr für eine lange Antwort, da er sofort die Tür öffnete und nun in völliger Verkleidung aus dem Auto stieg.
Viele Leute waren noch nicht hier. Vereinzelt standen draußen Personen. Die größten Grüppchen bestanden aus drei Personen. Spärliches Licht einer Straßenlaterne beleuchtete die verkleideten Menschen. Das schmutzige Licht wollte so gar nicht zu diesen Erscheinungen passen. Reserviert beobachtete Luke ein paar der Menschen, war sich aber ziemlich sicher, dass er niemanden erkennen würde. Auch nicht, wenn er sie kannte. Viel zu dunkel war es. Viel zu ungewohnt die Kleidung.

Lomy:

Sean sah seinem Freund nach, bevor er selbst den Schlüssel aus der Verkleidung im Auto zog und ihn einsteckte. Er nahm seine schwarze Zorro-Maske, die er extra für diesen Anlass gekauft hatte, und stieg ebenfalls aus dem Wagen. Schon jetzt konnte er Luke nicht mehr sehen. Während er auf die verschiedenen Gestalten vor dem Eingang des Rathauses zu lief und bereits jetzt Ausschau nach Frischfleisch hielt, das seiner Meinung nach angemessen für eine Anbändelei war, zupfte er noch sein Smoking zurecht, in dem er sich vollkommen albern vorkam. Kurz sah er Lukes Haare zwischen den anderen, doch dieser Moment verflog gleich wieder. Kopfschüttelnd grinste Sean, bevor er durch den runden Eingang trat und sofort von leiser, romantischer Musik umhüllt wurde und stöhnend seine Eintrittskarte abgab.

Seufzend betrachtete sich Olivia in dem langen Spiegel. Sie sah wirklich wunderschön aus. Ihre Haare hatte sie mit der Hilfe von Penny zu einer Hochfrisur hergerichtet, in der nun mehrere perlmuttfarbene Perlen steckten. Das Kleid war genau so schön. Wie lange sie dafür gespart hatte. Wie viel es gekostet hatte. Daran wollte Olivia gar nicht denken. Sie holte tief Luft und stieß diese dann sogleich wieder zwischen ihren Zähnen aus.

»Livie, kannst du mir gerade nochmal helfen bitte?«, hörte sie die Stimme ihrer Freundin aus dem Bad. Sie raffte ihr Kleid und lief barfuß über den Teppichboden. Im Bad stand Penny, die noch nicht ganz fertig mit ihrer Frisur war. Olivia half ihr bei den nötigen Handgriffen, bevor sie beide wieder vor den großen Spiegel traten und sich stumm betrachteten. »Du siehst unglaublich aus!« sagte Penny und Olivia lächelte leicht, bevor sie anerkennend nickte. »Du aber auch!«

Trotz der Tatsache, dass alles perfekt zu sein schien, war Olivia unruhig. Während sie auf und ab wippte und ständig zur Uhr schaute, raschelte ihr Kleid. Sie hatte sich vor genau einer Stunde frisch geduscht aus dem Fenster ihres Zimmers geschlichen und den kurzen Weg zu Penny gerannt. Penny hatte ihr Kleid und alles andere, was sie für heute Abend brauchte, schon vorher abgeholt. Olivia hatte ihrem Vater gesagt, dass es ihr nicht so gut ginge und sie deshalb schon früher ins Bett gehen wolle. Er hatte nur genickt und nicht weiter nachgefragt. Hoffentlich würde er nicht schauen wollen, ob es wirklich stimmte, was sie gesagt hatte. Sobald er näher an das Bett heran treten würde, würde er merken, dass unter der Decke nur Kissen und Stofftiere lagen.

Schließlich schlüpften die beiden in ihre Schuhe, beides hohe Riemchenschuhe, in denen sie gut laufen konnten, rafften ihre schweren Kleider und verließen Pennys Haus.  Das Rathaus war nicht weit entfernt, sie könnten locker dort hin laufen, dennoch hatte Penny ihre Mutter gefragt, ob sie sie fahren könnte, mit dem Argument, die Kleider vor dem rauen Asphalt schützen zu wollen. Als sie an Olivias Haus vorbei fuhren, duckte sie sich unwillkürlich. Sie konnte ihren Vater durch das Fenster sehen. Er schaute fern und schien ziemlich abgelenkt von dem, was er sah.

Erst vor dem alten Rathaus zog Olivia ihre golden verschnörkelte Maske an. »Noch einmal jung sein.«, lachte Pennys Mutter, bevor die Dunkelhaarige sich bei ihr für die Fahrt bedankte, nocheinmal tief Luft holte und dann schließlich ausstieg. Penny und sie hatten ausgemacht, nicht gemeinsam, sondern getrennt einzutreten, damit sie niemand sofort erkennen würde, und sich erst dann drinnen wieder zu treffen. Sie gingen davon aus, dass sowieso nicht besonders viel los war.

Zögerlich machte sich Olivia auf den Weg und schaute derweil immer wieder zurück auf das Auto. Erst, als sie wirklich eingetreten war, ihre Einladung abgegeben hatte und die Stufen hinunter in den Ballsaal gegangen war, entspannte sie sich langsam. Ihre Jacke hatte sie bereits abgegeben. Und selbst, wenn ihr Vater herausfinden würde, dass sie nicht mehr da war, müsste er sie hier drin erst einmal finden.
Allerdings war ihr aufgefallen, dass es hier drin definitiv nicht so ruhig und leer war, wie sie und Penny gedacht hatten. Die Tanzfläche war gefüllt mit tanzenden Paaren und außen rum war es schwer, einen Weg zu finden, da die Menschen bereits jetzt sehr eng beieinander standen. Olivia runzelte die Stirn und beschloss, dennoch eine Runde zu laufen. Vielleicht einfach nur, um sich wirklich vollkommen abzuregen.

Feuerchen:

Luke setzte nicht viel daran, bei Sean zu bleiben. Freunde hin oder her, sie wollten schließlich beide ihre eigenen Eroberungen an diesem Abend machen und das funktionierte alleine doch immer noch am Besten. Und das akzeptierten sie gegenseitig. Naja, jedenfalls tat Luke das. Deshalb betrat er separat von Sean und nachdem er sich draußen noch ein weiteres Mal nach bekannten Gesichtern Ausschau gehalten hatte, den Ballsaal.
Eilig übergab er dem Mann am Eingang seine Eintrittskarte und mischte sich dann so schnell er konnte, in die Menge. Gerade hier versuchte er, bekannten Gesichtern zu entgehen. Jetzt wollte er Spaß haben und in keine Gespräche verwickelt werden. Denn hier waren alle Altersgenerationen vertreten. Hohe Tiere aus der Stadtverwaltung, die das Tanzen jedoch zum Wohle aller lieber unterließen und junge Leute, die unter anderen Umständen mit einer solchen Veranstaltung wahrscheinlich gar nichts am Hut gehabt hätten, wie er selbst.
Gekonnt wich er einem Kellner aus, der ein Tablett voller kleiner delikater Häppchen in der Hand hielt. In diesem Moment konnte er jedoch nicht aufpassen, dass ihn keiner sah und wurde bereits von einem älteren Herrn mit schütterem Haar und Monokel – wohl nur zum heutigen Anlass – freudig angesprochen. „Lucas" meinte dieser zufrieden und klopfte selbigem leicht mit der Hand auf die Schulter. Luke setzte sofort sein charmantes Lächeln auf und ließ einen kurzen Redeschwall über sich ergehen, der irgendetwas mit seinem Vater beinhaltete, das ihn nur spärlich interessierte. „Mein Vater wird heute nicht hier sein" erklärte er eilig, ohne zu wissen, ob diese Aussage überhaupt als Erwiderung angemessen war.
°"Wenn Sie mich entschuldigen, mein Vater hat…" Luke kam nicht dazu, seine Ausrede zu beenden, da ihn der Mann erneut aufmunternd die Schulter tätschelte und ihm zuzwinkerte. „Schon in Ordnung, junger Mann. Geh nur, Spaß haben"
Luke fand es schon immer seltsam und unangenehm, so was von einem in die Jahre gekommenen Mann gesagt zu bekommen, aber dieses Mal war es wirklich hilfreich. Der Mann – Gott, Luke kannte nicht mal seinen Namen – und mischte sich wieder unter die Menschen. Luke tat es ihm nach, nicht, ohne sich noch ein Mal umzudrehen. Doch genau das war sein Fehler, als er einen Moment nicht aufpasste und versehentlich mit einer anderen Person zusammenstieß. Es war nur ein kleiner Zusammenstoß, aber trotzdem blieb Luke etwas verwirrt stehen. Weiblich und etwa in seinem Alter, soweit er das durch die Verkleidung beurteilen konnte. Es hätte also schlimmer kommen können.
(Olivia, falls du es nicht bemerkt hast. x3)

Penny hatte für einen Moment geträumt – naja, eigentlich versonnen einem Typen hinterher geschaut – als sie bemerkte, dass sie Olivia aus den Augen verloren hatte. Kurz sah sie ein Stück des prächtigen Kleides ihrer Freundin zwischen den tanzenden und sich unterhaltenden Leuten aufblitzen und versuchte, hinterher zu hechten, wobei sie ihren Ellenbogen versehentlich in mehr als nur eine Person stieß, sich aber immer wieder hastig entschuldigte. Als sie schließlich meinte, Olivia gefunden zu haben und ihren Arm ausstreckte, um das Mädchen sanft an der Schulter festzuhalten, lag sie noch immer total falsch. Die Person, die sie versehentlich für Olivia gehalten hatte, stellte sich als eine erwachsene Frau vor, die in etwa dieselbe Haarfarbe wie ihre Freundin hatte. Sie sah Penny leicht gereizt an und Penny setzte nur ein entschuldigendes Grinsen auf und wandte sich dann mit hochrotem Kopf um. Na toll. Auf den Schreck schnappte sie sich eilig ein gefülltes Glas von dem Tablett eines Kellners und kippte es in einem Zug weg.


Lomy:

Wie schön sich manche Menschen bewegen konnten. Olivia selbst war nie besonders gut im Tanzen gewesen und würde es sich im Traum nicht einfallen lassen, auf die Tanzfläche zu treten. Zwar hatten ihr schon ein paar Personen gesagt, dass ihre Angst vor dem Tanzen völlig unbegründet sei, dennoch fühlte sich Olivia nicht wohl bei dem Gedanken, sich zur Musik zu bewegen und dabei von allen möglichen Leuten beobachtet zu werden.

Dennoch folgte ihr verträumter Blick fast sehnsüchtig den vorbei schwebenden Paaren, die ihr Können auf der Tanzfläche unter Beweis stellten. In der Mitte der Tanzfläche dahingegen standen ein paar jüngere Pärchen, die sich nur leicht von einer Seite zur anderen wiegten, die Arme der Mädchen stets um den Hals des Jungen geschlungen, der seine Arme unterdessen um ihre Taille legte.

Und während sie so verträumt in die tanzende Menge schaute, sah sie auch den, auf dem schmalen Weg, der sich zwischen den vielen Menschen gebildet hatte, ihr entgegenkommenden jungen Mann nicht. Und so geschah es, dass sie völlig unvorbereitet in den Zusammenstoß glitt, wobei ihr linker Fuß dabei wohl am meisten leiden musste, da ihr Aus-dem-Traum-Reißer ihr mit seinen großen Füßen auf die Zehen getrampelt war.

Olivia stolperte rückwärts in eine Dame hinein, die sich umdrehte und das Mädchen missbilligend von oben bis unten betrachtete. »Tut mir Leid.« entschuldigte sich Olivia sofort, wurde aber gleich von der Dame angekeift. »Das hier ist keine Kindergartenparty!« sagte die Frau, bevor sie sich wieder umdrehte.

Schuldbewusst drehte auch Olivia sich wieder um und schaute hoch zu dem jungen Mann, der in sie gerannt war. »Puh, die ist wohl nicht besonders gut gelaunt.« sagte sie schmunzelnd und warf nochmal einen kurzen Blick über ihre Schulter, doch die Frau war bereits wieder in ein Gespräch mit ihrer Freundin vertieft.


Feuerchen:

Luke war von dieser Reaktion doch ein wenig überrascht. Angenehm überrascht. Natürlich, er kannte dieses Mädchen nicht. Aber er an ihrer Stelle hätte sich furchtbar über jemanden aufgeregt, der ihn einfach so umgerannt hätte. In diesem Fall hätte er sich nicht um's Verrecken bei ihr entschuldigt. Da sie aber ganz nett zu sein schien - auf den ersten Eindruck zumindest - tat er es. Das war er ihr irgendwie schuldig. "Das tut mir Leid" gestand er sich ein. Worte, die er wirklich sehr selten benutzte.
Er erwiderte ihr Schmunzeln mit einem schiefen Lächeln seinerseits. "Hast du jemals eine spießige, von einer Parfumwolke umgebene Frau mit Frisur, als hätte sie gerade in eine Steckdose gefasst gesehen, die gut gelaunt ist?" gab er leise lachend zurück.

Lomy:

Olivia nahm seine Entschuldigung mit einem Schulterzucken hin. Es war ja nichts passiert. Nur ihr Fuß musste den Rest des Abends mit einem blauen Fleck in den High Heels überleben. Als er dann noch seinen Kommentar zu der Dame mit ihrer Frisur und ihrem betörenden Duft abgab, musste sie prusten, beherrschte sich aber und grinste nur noch leicht.

Als sie einen mörderischen Blick in ihrem Rücken spürte und sich umdrehte, stellte sie fest, dass die Dame sowohl seinen Kommentar als auch ihre Reaktion darauf vernommen hatte. Ein süßes Lächeln formte sich um Olivias Lippen. Sie winkte der Dame kurz, säuselte ein »Einen schönen Abend noch!«, nahm den Jungen ihr Gegenüber am Arm und lief mit ihm an der Frau vorbei. Ihr Weg führte sie nicht weit weg. Sie wollte lediglich nicht mehr Angst haben, von einem Messer im Rücken zu sterben.

Als sie zum Stehen kam, befanden die beiden sich immer noch auf derselben Seite des Ballsaals, aber immerhin schon fast an der Ecke. Sie ließ den Jungen sofort los, stellte sich auf Zehenspitzen und schaute über seine Schulter, ob sie die Dame noch sehen konnte. Nein. Konnte sie nicht. Gut.

Feuerchen:

Luke hatte erst gar nicht bemerkt, dass die Frau seinen Kommentar sehr wohl noch gehört hatte und war dementsprechend über die Reaktion des Mädchens überrascht. Schließlich geschah es nicht alle Tage, dass man von einem Mädchen einfach so „entführt" wurde, als kenne man sich schon jahrelang. Und das ohne irgendeine Erklärung.
Als er sich noch im Gehen – aufpassen, wo er hinlief, musste er dank der Führung des Mädchens schließlich nicht – einen Schulterblick erlaubte, wurde ihm der Grund für das Ganze auch bewusst. Letztendlich war ihm das aber ziemlich egal. Selbst wenn diese Frau seinen Vater kannte, was er stark bezweifelte, kümmerte es ihn nicht.
Als sie dann schließlich zum Stehen kamen, sah Luke das Mädchen etwas fragend an, was sich nur dadurch äußerte, dass er eine Augenbraue hob. Dieser Teil der Mimik war allerdings von seiner Maske bedeckt und blieb daher ungesehen. Wenigstens war ein Teil seines Stirnrunzelns zu sehen, als das Mädchen ihm etwas näher kam und ihm der Grund dafür wieder nicht auf Anhieb klar war. Deshalb lächelte er im ersten Moment amüsiert. „Darf ich fragen, was du vorhast?" fragte er, ein leises Lachen unterdrückend.

Lomy:

»Ich schau nur über deine Schulter, um zu sehen, ob die Frau noch in der Nähe ist.« erklärte Olivia nüchtern, lächelte gleich darauf aber leicht. Schließlich trat sie wieder einen Schritt zurück und legte den Kopf leicht schief. Erst jetzt betrachtete sie den jungen Mann näher. Er schien in ihrem Alter zu sein, hatte dunkelblonde Haare. Seine Augenpartie konnte sie nicht so recht sehen, nicht mal seine Augenfarbe, da die Maske einen Schatten darauf legte. Also wanderte ihr Blick weiter nach unten, seine Lippen, schön, aber nichts Besonderes. Kurz striff ihr Blick seinen Oberkörper, der vollständig von einem noblen Smoking bedeckt wurde und unwillkürlich fragte sie sich, wer er war und was er hier tat. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe, während sie wieder zu ihm hoch schaute und dabei mit einer Hand nach ihren Haaren fasste und schaute, ob nach dem Gerenne noch alles da war, wo es hingehörte.

Feuerchen:

Luke hob die Augenbrauen und lächelte wissend. Erst hatte er noch etwas hinzufügen wollen, das ließ er dann jedoch bleiben und musterte sie in stummem Einverständnis mit ihr, da er auch ihre Blicke auf ihm spürte. Dadurch, dass sie weiblich und in seinem Alter war, war sie auf jeden Fall schon mal genau sein Typ. Denn er machte wenig Unterschiede, wenn es darum ging. Was er aber außerdem noch sehen konnte, war dass ihr das prächtige Kleid ausgezeichnet stand und sie eine wirklich tolle Figur hatte. Die schönen geschwungenen Lippen ließen aber auch auf ein äußerst hübsches Gesicht schließen. Und auch das, was er durch ihre goldene Maske sehen konnte. Ein wirklicher Glückstreffer also, genau in sie zu stoßen. Wo hier doch auch massenweise Leute rumlaufen, die man lieber nicht versehentlich so grob störte.
"Das ist sie doch wohl hoffentlich nicht mehr, oder?" fragte er gespielt erschrocken und zeigte dass durch einen ebenso übertriebenen erschrockenen Gesichtsausdruck, mit dem er sie nun fragend ansah. Ein leichtes Schmunzeln kurz darauf verriet ihn jedoch. Das kam aber weniger von seinem schlechten Schauspieltalent, als davon, wie das Mädchen sich in ihr Haar fasste, als hätte sie doch tatsächlich Angst, es könne sie vielleicht entstellen. Einen Kommentar dazu behielt er jedoch für sich. Auch wenn ein solcher Kommentar ganz sicher ein Kompliment gewesen wäre.

Lomy:

Olivia lachte, als sie sein Schmunzeln sah und stieß ihn mit einer Hand leicht in die Brust. »Nein ist sie nichtmehr!«, antwortete sie dann, obwohl seine Frage auch eine rhetorische hätte sein können. Als sie schließlich fertig damit war, ihre Frisur abzutasten und zufrieden feststellte, dass wirklich alles noch beim Guten war und sie sich mit ihren Haaren nicht schämen musste, wanderte ihr Blick in dem Raum umher.

Von hier konnte sie noch besser auf die tanzenden Paare blicken. In der Mitte standen doch tatsächlich immer noch ein paar Jugendliche, die sich die Blöße gaben und sich inmitten der wirklich Tanzenden nur hin und her wiegten. Olivia biss sich auf die Unterlippe, um nicht zu lachen, als sie einen Jungen mit ziemlich pickligem Gesicht sah, dessen Tanzpartnerin alles andere als befriedigt aussah. Sie schien sich so weit wie möglich von ihm fernhalten zu wollen, was aber beim Tanzen wirklich nicht allzu einfach zu sein schien.

Schließlich schaute sie wieder hoch zu dem Jungen. Wie sollte sie ihn nennen? Hm…sie würde ihn mal…Mr. Mysterious nennen. Bei dem Gedanken schmunzelnd ließ sie den Blick kurz nochmal über sein Gesicht und seinen Körper wandern – warum nicht, er wusste ja schließlich eh nicht, wer sie war – bevor sie sich leise lachend der Tanzfläche zudrehte und die Arme vor der Brust verschränkte.

Feuerchen:

Schon zuvor war Luke dem Blick des Mädchens gefolgt, der auf die Tanzfläche wanderte. Für einen kurzen Moment dachte er darüber nach, sie zum Tanzen aufzufordern, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Nicht, weil er nicht tanzen konnte. Oh nein, eigentlich war er ein ziemlich guter Tänzer. Er band es nur aus Gründen, die seinen „guten" Ruf betrafen, nicht gleich jedem auf die Nase. Sein Vater hatte ihn zu Tanzstunden gezwungen und obwohl Luke das niemals gemocht hatte, entdeckte er immer mehr die Vorzüge der damaligen Qual. Und trotzdem verblieb er einfach nur mit einem leichten Schmunzeln und blickte das Mädchen nur beinahe fragend und wartend an.
Als sie sich jedoch gänzlich der Tanzfläche zuwandte, sah er keinen anderen Ausweg mehr. In einer fließenden Bewegung trat er vor, sodass er direkt neben ihr stand, hielt ihr die Hand hin und sah sie kurz an. „Möchtest du tanzen?" fragte er schief grinsend. Gerade hier brauchte er sich schließlich nicht um seinen Ruf zu kümmern. Schon gar nicht vor einem fremden Mädchen. Und Sean kannte sein „Geheimnis" sowieso schon. Und der war momentan sowieso nicht in Sichtweite.

 

Lomy:

»Tanzen?« wiederholte Olivia etwas verwirrt, als Mr. Mysterious vor sie trat und sie dazu aufforderte. Sie machte keine Anstalten, ihm ihre Hand zu geben, sondern trat eher noch einen Schritt zurück. »Also ich weiß wirklich nicht…« sie schüttelte leicht ihren Kopf. Es war das erste Mal, dass sie überhaupt von irgendjemandem zum Tanzen aufgefordert wurde. Und dann auch noch von ihm. Von Mr. Mysterious. Aber sie hatte einfach nur solche Angst, sich vollkommen lächerlich zu machen. Sie erwiderte sein schiefes Grinsen mit einem fast schüchternen Lächeln, was für sie eigentlich eher ungewöhnlich war.

Feuerchen:

Luke war für einen kurzen Moment doch tatsächlich von dem augenscheinlichen Korb des Mädchens überrascht, fühlte sich sogar ein wenig vor den Kopf gestoßen. Als er dann jedoch schnell dahinter kam – was auch ohne großartige Menschenkenntnis sehr gut funktionierte -, dass das Mädchen eventuell unsicher sein konnte, brachte ihn das schon wieder zum Schmunzeln. Nicht locker lassend, hielt er ihr seine Hand immer noch hin, machte eine aufmunternde Geste mit einem leichten Kopfnicken. „Es ist wirklich nicht schwer, wenn man gut geführt wird. Und ich…" Er machte eine kleine Pause, um seinen Worten gespielt mehr Ausdruck zu verleihen. „…werde dich gut führen können. Du musst fast gar nichts machen, das verspreche ich dir."

Lomy:

Olivia schaute etwas verdutzt, was vielleicht durch ihre Maske garnicht zu sehen war. »Ach, du meinst…Richtig tanzen? Also…richtig?« sobald sie diesen Satz, wenn man es überhaupt so nennen konnte, ausgesprochen hatte, fühlte sie sich wie der letzte Depp der Welt. Tanzen. Meinte er wirklich, er könnte sie führen beim tanzen? Mit ihren zwei linken Füßen… Sie schluckte, nahm dann aber doch zögerlich seine Hand.

»Na gut…aber wenn es nicht klappt, verschwinden wir gleich wieder von der Tanzfläche!« fügte sie hinzu, nachdem sie ihre Hand noch eine Sekunde lang weggezogen hatte, sie aber sogleich wieder in seine Handflächen sinken ließ.

 

Feuerchen:

Ein leises Lachen konnte sich Luke nun wirklich nicht mehr verkneifen. Insgeheim wusste er jedoch, dass er sie noch im Laufe dieses Abends zum Tanzen kriegen würde. Egal, ob sie nun zustimmte oder nicht. „Ja, das habe ich gemeint. Ich weiß nämlich nicht, ob der Ententanz hier passend wäre" gab er mit einem Augenzwinkern in den Raum und umschloss schließlich die Hand des Mädchens mit der seinen, damit sie diese auch ja kein weiteres Mal zurückziehen konnte.
„Versprochen" war Lukes letztes Wort, bevor er das Mädchen sanft auf die Tanzfläche zog, sie dort etwas näher zu sich zog, um Tanzhaltung einzunehmen. Um ihr dabei behilflich zu sein, positionierte er locker ihre Hände auf sein Schulterblatt und seinen Oberarm, wo sie hingehörten und lächelte sie leicht fragend an, um sich zu vergewissern, dass sie bereit war.

 

Lomy:

Olivia schluckte. Sie war sich wirklich nicht sicher, ob das hier ein gutes Ende nehmen würde. Als sie von ihm auf die Tanzfläche gezogen wurde, schaute sie sich kurz um, sah verschiedene Menschen über ihre Schulter. Die Frau von vorher am Rand des Geschehens, sich immer noch angeregt mit ihrer Freundin unterhaltend. Ein junges Pärchen in der Ecke des Saals, die sich leidenschaftlich küssten und dabei nicht wenige missbilligende Blicke von den Älteren Gästen ernteten. Ein kleines Mädchen, das sich hinter dem Kleid ihrer Mutter vor einem ebenso kleinen Jungen versteckte. Niemand beachtete ihr Auftreten auf der Bildfläche. Und trotzdem kam sich Olivia wahninnig beobachtet vor. Sie hatte das Gefühl, alle der Anwesenden würden sie über sie unterhalten und selbst ihre kleinsten Makel finden. Die winzigen Schweißperlen in ihrem Nacken, zum Beispiel. Oder eine gelöste Strähne ihres Haars. War ihr Kleid auch wirklich noch einwandfrei, oder hatte es bereits einen Riss erlitten, oder war dreckig geworden?

Schließich, als Mr Mysterious stehen blieb und ihre Hände positionierte, blickte sie hoch zu ihm und gab ihm mit einem leichten Nicken zu verstehen, dass er anfangen könnte.

Feuerchen:

Sobald das Mädchen, dessen Namen Luke immer noch nicht erfragt hatte, nickte, konzentrierte er sich kurz auf die Musik, spürte den Takt, um ihn dann in seine Bewegungen zu übernehmen. Noch ein Mal lächelte er dem Mädchen aufmunternd zu bis er einen leichten Druck auf ihr Schulterblatt ausübte, um sie zu führen. Er machte die entsprechenden Schritte und zog das Mädchen sanft mit, sehr darauf bedacht, es langsam anzugehen, damit sie nicht stolperte.
"Na also. Es klappt doch" meinte er leicht schmunzelnd und sah sie gespielt tadelnd an.

Lomy:

Nachdem sie eigentlich den gesamten Abend mit Mr. Mysterious verbracht hatte, musste Olivia sich nun das erste Mal von ihm trennen, denn sie musste auf die Toilette. Und wo sie schon mal dabei war, betrachtete sie sich während dem Händewaschen ausgiebig im Spiegel. Vorsichtig, um nichts zu beschädigen, nahm sie sich die Maske vom Gesicht. Sie hatte leichte Abdrücke hinterlassen und an den Stellen, wo wirklich gar keine Luft hinkam, hatte sich ihre Haut leicht rot gefärbt. Olivia stöhnte leise, bevor sie sich bückte und unter ihr Kleid griff. Es hatte eine kleine Innentasche eingenäht, die nicht weiter auffiel, da es so imposant war. Als sie sich wieder aufrichtete, hatte sie eine Wimperntusche, Abdeckpuder, einen Kajal und Lipgloss in der Hand. Mit diesen vier Utensilien verschönerte sie ihr Gesicht wieder so weit, bis sie beim Sich Betrachten im Spiegel nicht mehr zusammenzuckte.

Schließlich steckte sie die Schminkutensilien wieder zurück an ihren Platz, bevor sie sich noch vergewisserte, dass ihre Frisur passte. Die Maske war auch gleich wieder aufgesetzt. Bis jetzt hatte sie wirklich einen riesen Spaß. Mr. Mysterious stellte sich als hervorragender Tänzer heraus, der es schaffte, sogar sie als Trampeltier einigermaßen grazil aussehen zu lassen. Und deshalb hatten sie wohl auch den Großteil des Abends auf der Tanzfläche verbracht. Lächelnd dachte Olivia an die kurzen Pausen, die sie auf dem Balkon an der kühlen Nachtluft verbracht hatten. Einmal hatten sie kaum geredet, sondern nur die Sterne betrachtet. Es war wunderschön gewesen. Und die anderen Male hatten sie über verschiedene Dinge geredet. Olivia hatte Mr. Mysterious von ihrem Vater erzählt, von ihrer Mutter, die weggezogen war und über die Schule. Es hatte sich herausgestellt, dass sie beide zur selben High School gingen, dennoch konnte sich Olivia nicht entsinnen, Mr. Mysterious jemals schon einmal gesehen zu haben. Sie runzelte die Stirn, während sie darüber nachdachte, wer er wohl sein könnte. Wusste er wohl schon, wer sie war? Sie strich sich ein letztes Mal über ihr Kleid, holte tief Luft und trat dann wieder aus der Damentoilette heraus. Sie würde ihm heute noch sagen, wer sie wirklich war!

Feuerchen:

Ruhig schweiften Lukes grünbraune Augen durch den Raum. Er lehnte nicht weit von der Damentoilette entfernt an der Wand, ein Fuß lässig dagegen gepresst, die Hände beide tief in den Taschen seines Anzuges. Obwohl sein Blick sich so gleitend durch den Raum bewegte, sah er keineswegs so aus, als suche er nach etwas. Zu unaufmerksam war er, zu glasig der Blick seiner Augen hinter der Maske.
Der Grund für diese gedankliche Abwesenheit waren all die Dinge, die ihn in diesem Moment durch den Kopf schossen. Das Mädchen, das er kennen gelernt hatte, hatte sich als Mitschülerin von ihm herausgestellt, jedoch wohl kaum als eine altbekannte Mitschülerin. Denn obwohl sie beide die selbe Schule besuchten, konnte Luke anhand ihrer dunklen Haare und den schönen Augen hinter der Maskierung nicht sagen, um wen es sich handelte. Geschweige denn, welches Mädchen einem solchen Ball beiwohnen würde. So ganz nebenbei setzte er sich außerdem ein Ziel an diesem bereits fortgeschrittenen Abend: Er würde diesen Saal nicht verlassen, ohne ihr Gesicht gesehen zu haben.
Als hätte er es vorausgeahnt, stieß Luke sich gerade in dem Moment von der Wand ab, als die Tür der Damentoilette aufschwang. Luke kam seiner Begleitung ein paar wenige Schritte entgegen. Und bot ihr seinen Ellenbogen zum Unterhaken an, während er ihr ein warmes Lächeln schenkte.
°"Ich schlage vor, wir entfernen uns ein wenig von der Masse hier" Obwohl sich die Reihen bereits gelichtet hatten und der Saal lange nicht mehr so überfüllt war, wie zu Beginn, war es doch noch eine ganz schön abenteuerliche Reise von einer Seite des Saals zur Anderen. Er ging bereits zu, steuerte dabei den Balkon an, von dem aus man die Musik von drinnen nur gedämpft hörte und auf dem man sich ein wenig vom Tanzen erholen konnte.

Lomy:

Als Olivia aus der Toilette trat, dachte sie im ersten Moment, Mr. Mysterious wäre verschwunden. Genauso plötzlich und unerwartet, wie er gekommen war. Doch sobald eine kichernde Gruppe von Mädchen an ihr vorbeizog und er hinter dem Grüppchen erschien, direkt auf sie zulaufend, wurde aus ihrem fast verzweifelt suchendem Blick wieder das für den Abend gewohnt Lächeln. Sie kam ihm nicht entgegen, stattdessen stand sie da, beobachtete ihn. Die wenigen Sekunden, die er brauchte, um von der Wand zu ihr zu laufen kamen ihr vor wie eine Ewigkeit. Eine schöne Ewigkeiten. Wer er wohl war? Wie alt er wohl war? Ob er wirklich auf ihre Schule ging? Sie konnte sich partout nicht an ihn erinnern. Doch als er ihr seinen Arm reichte, sie langsam ihre Hand hob und sie auf den starken Unterarm legte, fasste sie eine Entscheidung. Sie würde heute Abend noch herausfinden, wer er war. Und sie würde ihm gleichfalls ihr Gesicht enthüllen. Ein aufgeregtes Kribbeln breitete sich in ihrem Inneren aus, während sie sein Gesprochenes nur wie von Weitem hörte. Ihre Füße fingen wie von alleine an, sich zu bewegen. Ein seelisches Grinsen hatte sich auf ihr Gesicht gelegt, während sie gerade aus schaute und Luke sie wie selbstverständlich auf den Balkon führte.
Sobald sie durch den Türrahmen getreten waren, stieß ihnen die kühle Nachtluft wie ein Schwall entgegen und klärte ihren Kopf. Erst jetzt fiel Olivia auf, wie heiß es in dem Tanzsaal eigentlich gewesen war und sie hatte schon jetzt keine Lust mehr, wieder zurück nach drinnen zu gehen. Sie ließ seinen Arm los, blieb an dem steinernen Geländer stehen. So, ihm den Rücken zugewandt und den Blick verträumt in den wunderschönen Nachthimmel gerichtet, mit den Fingern blind die Verzierungen auf dem Geländer nachzeichnend, blieb sie einige Zeit stehen. Sobald sich ihr Herzklopfen wieder einigermaßen beruhigt hatte, drehte sie sich langsam um, mit den Oberzähnen auf ihre Unterlippe beißend. Das Herzklopfen verstärkte sich wieder. Ihre Hände hielten das Geländer in ihrem Rücken, während sie ganz still dastand, ihn unverwandt ansah und sich überlegte, wer er wohl sein konnte. Der Wind verwehte ihre Frisur ein wenig, Strähnen lösten sich und kitzelten ihre Wangen und ihren Nacken.

Feuerchen:

Sicher führte Luke seine unbekannte Herzensdame dieses Abends durch den Saal – wobei er sich immer schön am Rand hielt – bis zu der großen Tür, die nie ganz geschlossen war, damit jeder die Möglichkeit hatte, auf den Balkon zu gehen. Türen, die aussahen, wie zu groß geratene Fenster trennten den terrassengroßen Balkon von dem Saal ab.
Dem Mädchen den Vortritt lassend wartete Luke darauf, dass sie die Tür zuerst passierte. Luke folgte erst ein wenig später. Er schloss noch beim Betreten die Tür verbotenerweise langsam hinter sich. Sie hatten nämlich das Glück, hier alleine zu sein. Vielleicht kamen die Leute drinnen so auf den Gedanken, der Balkon sei für heute geschlossen.
Er blieb jedoch stehen wo er war, ein wenig an die Tür gelehnt und beobachtete das Mädchen still und heimlich. Spürte dabei die angenehm kühle Luft. Sommer – die einzige Jahreszeit, die man tatsächlich riechen konnte. So schien es jedenfalls. Lächelnd über die Schönheit des heutigen Abends – sowohl, was die Natur anging, als auch die Art wie er ihn verbracht hatte – strich er sich durch die blonden Haare.
Luke setzte sich erst in Bewegung, als sich das Mädchen zu ihm umdrehte. Beinahe im selben Moment sogar. Alles schien viel zu perfekt zu sein. Fast schon abnormal. Das seichte Wetter einer Sommernacht, ein so wunderschönes Mädchen ihm direkt gegenüber, die klar glitzernden Sterne am Himmel. Wenn da nicht diese störende Maske gewesen wäre, die Lukes Gesamtbild schummrig machte. Ohne diese Maske würde er sich später doch so viel besser an ihr Gesicht erinnern können.
Während er bedächtigen Schrittes auf sie zuging, trug er ununterbrochen ein sanftes Lächeln im Gesicht. Besonders in dem Moment, in dem er direkt vor ihr stehen blieb. Wortlos streckte er eine Hand nach ihrem Gesicht aus und ließ sie auf ihrer Wange ruhen. Er beugte sich leicht vor und legte seine Lippen auf die ihre, schloss bereits auf dem Weg dahin die Augen.
Er wusste nicht, ob es richtig war, hatte sich darüber noch in einem Leben überhaupt Gedanken gemacht, bis auf jetzt. Er wusste nicht wer sie war. Diese Anonymität hätte er sich zugegeben so manche andere Male gewünscht. Und dieser Moment hatte es einfach darauf angelegt.

Lomy:

Olivia sah Luke auf sich zu gehen. Sie spürte ein Kribbeln in ihrer Bauchgehen, als er nur knapp vor ihr stehen blieb. Erwartungsvoll hob sie den Blick, bis sie seinen Augen begegnete. Der Moment war so perfekt. Die leise Musik, der leere Balkon, der Mond weit über ihren Köpfen und die sanfte Brise. Als er seinen Arm hob geschah alles wie in Zeitlupe. Sie sog scharf die Luft ein, als die Innenfläche seiner Hand ihre Wange berührte, das Kribbeln in ihrem Bauch verstärkte sich. Ihr Herz klopfte wie wild. Schnell. Stark. Und dann kam sein Gesicht näher, immer näher. Instinktiv schloss sie ihre Augen und dann war es auch schon so weit. Der perfekteste Moment aller Zeiten. Olivia erwiderte den Kuss erst sehr zögerlich, fast ängstlich, bevor sie ihre Hände hob und sie auf seine Brust legte, nach oben wandern ließ, bis sie seinen Nacken fest hielten. Seine Haare zwischen den Fingern zwirbelte. Sie stieß sich von der Brüstung ab und stellte sich weiter auf Zehenspitzen, um ihm näher zu sein, ihn näher bei sich zu spüren. Es war wunderschön. Dieses Gefühl.
Natürlich hatte Olivia schon mal Jungen geküsst. Ob auf einer Party oder doch als sie mal kurzzeitig einen Freund hatte, doch es war noch nie so leidenschaftlich und romantisch gewesen, wie es gerade war. Nicht einmal vergleichbar. Ihre Wangen glühten, fast vergaß sie zu atmen.
Jetzt erst recht wollte sie wissen, wer dieser geheimnisvolle Fremde war. Langsam öffnete sie wieder ihre Augen. Sie spürte wie ihre Wimpern die Ränder der Maske berührten, was sie vorher maßlos aufgeregt hatte, jetzt aber gar keine Rolle mehr zu spielen schien. Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Ein letztes Mal spannte sie diese nochmal an, drückte sie auf die von Mr. Mysterious, bevor sie ihre Ballen wieder auf den Boden sinken ließ und sich langsam wieder zurück lehnte, immer noch das breite Lächeln auf ihrem Gesicht, alles um sie herum vergessend.

Feuerchen:

Luke spürte die Besonderheit dieses Momentes in jeder Faser seines Körpers. Es muss das Zusammenspiel von Allem gewesen sein, das diesen Moment ausmachte. Er hatte schön vergleichbar hübsche Mädchen wie sie geküsst, hatte schon andere Mädchen unter solch klarem Sternenhimmel geküsst…aber alles zusammen schien eine neue Erfahrung zu sein, die es galt, voll und ganz auszuschöpfen.
Seine Hand ruhte weiterhin auf der warmen Wange des Mädchens, nur vorsichtig strich er mit seinem bebenden Daumen über ihr Gesicht, ohne die Position seiner Hand großartig zu verändern. Die noch freie Hand glitt zu ihrer Taille und von dort aus langsam zu ihrer Hüfte, wo sie kurz zum Stehen kam, bevor Luke seine neue Bekanntschaft sachte näher zu sich zog. Er spürte ihre Berührungen und lächelte leicht in den Kuss hinein.
Es schien ein stummes, gemeinsames Einverständnis zu sein, in dem sie beide den Kuss auflösten. In dem Moment, in dem Luke sich von ihr löste, zog er auch seine beiden Hände zurück und ließ sie beinahe trostlos neben seinen Körper fallen. Für solche Feinheiten, die Haltung seiner Arme zum Beispiel, hatte Luke jetzt keine Zeit. Zu beschäftigt war er mit dem Anblick der Maskierten. Mit einem sanften Schmunzeln auf den Lippen beobachtete er sie, schien sie ganz genau zu mustern und musste feststellen, dass er alles richtig gemacht hatte.
Erst in diesem Moment bemerkte er erst wieder die Musik von Drinnen, die man auch hier draußen noch gedämpft hören konnte. Ihm schien, als ertöne sie erst jetzt wieder und war für die Zeit des Kusses vollkommen verstummt.
Selten war Luke sich unsicher mit dem was er tat. Eigentlich niemals. Er sorgte sich nicht um Reaktionen anderer, denn wenn man alles, was man tat, mit gesunder Portion Selbstbewusstsein tat, fiel es anderen meist schwerer, es abzulehnen. Doch obwohl er sich sicher war, den Moment zuvor genau in der richtigen Sekunde ausgenutzt zu haben, war er sich eher weniger sicher, ob seine nächsten Worte, die ihm bereits durch den Kopf schwirrten – von dem zuvor gespürten Gefühl ganz durcheinander gewirbelt – die Richtigen waren.
Er wollte wissen, wer sie war und er hatte sich versprochen, es herauszufinden. Mit diesem Versprechen im Kopf sprach er nun doch aus, was er gedacht hatte. Schließlich war das Gefühl, ihr Gesicht sehen zu wollen, in diesem Augenblick stärker als den ganzen Abend zu vor.
"Würde Mylady mir die Ehre erweisen, mir ihr Gesicht zu zeigen…?" Schmunzelnd deutete er eine Verbeugung an, wartete dann auf eine Reaktion.

Lomy:

Sie war doch etwas überrascht, als er dies fragte. Mit einem Mal war die Musik wieder da, die doch etwas kühle Nachtluft, ihr Herzklopfen. Sie musste ein paar Mal blinzeln, bevor sie realisierte, was genau er gefragt hatte. Aber da sie eh vorhatte, ihm ihr Gesicht diesen Abend noch zu zeigen, nickte sie auf seine Verbeugung hin leicht. Sie biss sich auf die Unterlippe, bevor sie tief Luft holte und sich fast schwungvoll umdrehte. Sie wollte es spannend für ihn machen, genauso spannend, wie es für sie ohnehin sein würde, wenn er seine Maske abnahm. Ihren Blick hielt sie auf die Brüstung gesenkt, bevor sie die Augen schloss und blind ihre Hände nach oben führte, an ihren Hinterkopf, unter ihre Frisur, wo die zwei goldenen Bändchen sich trafen und von ihr vorher zu einer sauberen Schleife gebunden worden waren. Sehr langsam zog sie an einem der Enden, bis sich die Schleife löste. Man konnte an ihrem Oberkörper sehen, wie sie noch einmal tief Luft holte, bevor sie die Maske endgültig abnahm und in eine ihrer Hände nahm, die sie daraufhin neben ihren Körper ungeachtet fallen ließ. Sie legte den Kopf in den Nacken, die Augen immer noch geschlossen, die Nachtluft die erhitzte und strapazierte Haut streicheln lassend. Nur sehr langsam öffneten sich ihre Lider. Sie holte abermals Luft. Und dann begann sie endlich, sich umzudrehen, den Blick gesenkt, bis sie ihm wieder direkt gegenüber stand. Dann hob sie sehr langsam ihren Kopf, als letztes folgte ihr Wimpernaufschlag, bis ihre fast schwarzen Augen seinem Blick begegneten. Alles geschah wie in Zeitlupe. Sie wollte seine Reaktion wissen. War er enttäuscht, oder überrascht? Hatte er bereits eine Ahnung gehabt? Jede seine Bewegungen, seiner Gesichtszuckungen wurde von ihr genauestens analysiert, während sie einfach nur dastand, nichts sagend. Auf ihn wartend. Darauf, dass er etwas sagte, oder etwas tat. Seine Maske abnahm. Erwartungsvoll.

Feuerchen:

Luke konnte sich ein beinahe triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Vor allem dann, als er es ungehindert ausüben konnte, als sich das Mädchen umdrehte. Er überlegte für den Bruchteil einer Sekunde, ob er vorher vielleicht etwas sagen sollte. Einfach nur, um die zum Zerreisen gespannte Atmosphäre irgendwie zu lockern. Unweigerlich, aber gleichzeitig unvermeidbar spürte er, wie sein Herz wieder einen schnelleren Rhythmus einnahm. Ähnlich dem Kuss zuvor.
Ohne auch nur eine Regung, eine Bewegung des Mädchens verpassen zu wollen, blieb sein Blick auf sie gerichtet, folgte ihren zarten Händen, wie sie sich langsam zu der Maskierung bewegten. Kurz fragte er sich, ob er der Fairness halber nicht auch gleichzeitig seine Maske abnehmen sollte. Als seine eigenen Hände bereits sachte auf seiner Maske lagen und sich beinahe in Synchronität mit denen des Mädchens bewegten, entschied er sich doch noch für die sichere Seite und ließ sie wieder neben seinen Körper fallen, wo sie kurz nutzlos herum hangen, bis er sie in seine Taschen steckte.
Als das Mädchen ihre Maske komplett abgelegt hatte, Luke jedoch noch immer nur ihren Rücken zugewandt hatte, stiegen seine Ungeduld und somit auch sein Herzschlag ins schier unermessliche. Groß war der spontane Drang, sie sachte an der Schulter umzudrehen, ihr endlich direkt in die Augen zu blicken und sie dann höchstwahrscheinlich noch ein zweites Mal zu küssen.
Ihre Haare schienen ganz besonders in der lauen Sommerbrise zu wehen, als sie sich endlich zu ihm umdrehte, und verdeckten damit ihr Gesicht noch einmal extra, wie es schien. Dann war es so weit. Luke sah genau das, was er erwartet hatte: Ein wunderschönes Gesicht. Hinzu kam aber auch etwas, das er sich ganz anders vorgestellt hatte. Es handelte sich nicht um ein unbekanntes Gesicht. Ganz im Gegenteil. Olivia. Ja, selbst an den Namen konnte er sich noch erinnern. Die beste Freundin einer ihm wohlbekannten Exfreundin, wobei „Exfreundin" wahrscheinlich mehr vermittelte und erhoffen ließ, als es eigentlich für ihn bedeutete.
Die Geschichte, die sie verband, war ganz sicher keine zum Wiederaufrollen. Und Luke wusste, wie die Beiden – und auch schon Olivia alleine – auf ihn zu sprechen waren.
Sein Lächeln musste für einen kurzen Augenblick versteift sein, denn er spürte, wie er es erst wieder aufbauen musste, um keine falschen Gedanken zu erwecken. Denn während ihm all diese Gedanken im Kopf herumschwirrten, während er unbewusst nach irgendwelchen Anzeichen suchte, die Olivia den ganzen Abend über verraten hätten oder gar Anzeichen, die IHN verraten hatte, wusste er nicht wirklich, welches Gefühl ihn nun ergreifen sollte. Enttäuschung, dass aus der „neuen" Bekanntschaft nun sicher nicht mehr als das werden würde? Belustigung über den schrägen Zufall, der das alles herbeigeführt hatte?
Und noch etwas anderes schwirrte ihm dabei durch den Kopf: Der feste Entschluss, hier einen Schlussstrich zu ziehen. Fürs Erste. Er konnte jetzt nichts anderes tun, als zu verschwinden. Denn sein Gesicht preiszugeben würde ihm wohl nur bestenfalls eine Ohrfeige einhandeln.

 

Lomy:

Als Olivia sich nun endgültig umgedreht hatte, sich ihm gezeigt hatte, hatte sie ehrlich gesagt etwas anderes erwartet, als das, was da nun vor ihr stand. Statt dem – vielleicht – überraschten, aber definitiv glücklichen Gesichtsausdruck las sie in seinen Augen eher eine Art von Enttäuschung, Schrecken und sogar ein klein wenig Unsicherheit. Trotz des Lächelns auf seinem Gesicht, das nach dieser Enthüllung nicht gewichen war, wusste Olivia sofort, dass sie den Namen des Unbekannten heute nicht mehr erfahren würde. Zumindest nicht freiwillig.
Und wie sie so bemerkte, dass alles gar nicht so ablief, wie sie es sich vorgestellt und gewünscht hatte, bildete sich etwas in ihr. Etwas wie Wut. Auch Enttäuschung. Darüber, dass ihre Ahnung sich bewahrheiten würde; darüber, dass er sich als dermaßen feige heraus gestellt hatte. Und das merkte man auch an ihrem Gesichtsausdruck. Sie runzelte ihre Stirn, schürzte die Lippen. Fast wäre ihr so etwas herausgerutscht wie: »Gefällt dir nicht, was du siehst?«, doch sie konnte sich zurückhalten. Und so holte sie tief Luft und rang sich ein scheinheiliges Lächeln ab.
»Jetzt bist du dran!«, sagte sie, als würde sie immer noch darauf hoffen, dass er seine Maske noch abnehmen würde. Doch da sie genau wusste, dass er das nicht mehr tun würde, trat sie einen Schritt auf ihn zu, lächelnd, immer noch, und hob schnell, sodass er nicht ausweichen konnte, ihre Hände. Sie legten sich auf seine Maske. Scheinheilig wie sie war, sah er wohl nun aus der Nähe doch das gefährliche Blitzen in ihren Augen und auch die kleinen, angespannten Fältchen, die sich auf ihrer Stirn gebildet hatten. Sie wusste genau, was sie wollte. Koste es, was es wolle. Sie würde diesen Abend definitiv noch sein Gesicht sehen.

Feuerchen:

Man musste kein Psychologe oder gar Verhaltensforscher sein, um die Zeichen, die sich im Gesicht Olivias verrieten, deuten zu können. Vor allem dann, wenn selbst Luke erahnen konnte, dass er eindeutig nicht richtig gehandelt hatte. Aber Schauspieler war er genauso wenig wie Psychologe und das leichte Unwohlsein, das ihn überkommen hatte, schien doch nicht leicht genug, um es so ohne weiteres zu verstecken. Da musste sein Fehler gelegen haben.
Der Abend schien so schnell vergangen zu sein und stellte einen krassen Gegensatz zu der plötzlich so langsam vor sich hin plätschernden Zeit dar. Egal, welche Rückzieher oder Ausreden Luke nun durch den Kopf schossen, es schien für sie alle viel zu spät zu sein. Zu spät, um sich einfach umzudrehen und wegzulaufen, zu spät für irgendeine Erklärung, die sie ihm wahrscheinlich doch nicht abgenommen hätte. Und auf das Niveau eines scheußlichen Ausschlages unter der Maske wollte er sich wirklich nicht herabsetzen.
Beinahe schüttelte er seinen Kopf ganz automatisch, heftiger, als sie ihre Hände nach ihm ausstreckte. ‚Nein, tu das nicht' schien seine Bewegung auszusagen. Beunruhigt knetete Luke seine Hände in seinen Taschen, sog die Luft scharf ein, als sich Olivias Hände auf die Maske legten. Um jedoch nicht mehr ganz so erbärmlich zu wirken, hielt sein Lächeln noch immer an, entwickelte sich sogar zu einem breiten Grinsen. Fast herausfordernd wirkte es. Jetzt, wo sowieso alles egal war.
"Olivia!"
Lukes Schultern lockerten sich automatisch. Ohne weiteres Misstrauen zu erwecken konnte er sich nun eilig zu der gerade ertönten Stimme umdrehen. Vor allem, da sie recht aufgelöst klang. Ein ihm wohl bekanntes Gesicht stöckelte – das lange Kleid mit beiden Händen hoch gerafft, um besser laufen zu können – an ihm vorbei. Erstaunlich viele blonde Strähnen hatten sich bereits aus dem blonden Haar gelöst und fielen ihr wild durch das Gesicht. Luke konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen, als sie ihn kurz etwas misstrauisch beäugte und er ihren leicht verschmierten Lippenstift bewundern konnte. Penny.
Ja, Luke hatte eine Ahnung, wo und mit was für einer Gesellschaft sie sich wahrscheinlich herumgetrieben hatte. Penny wandte sich jedoch ohne großartige Begrüßung wieder Olivia zu, die sie ja schließlich gerufen hatte. „Ich hab dich überall gesucht. Dein Vater" Sie machte eine kurze Pause, vielleicht um erst mal wieder zur Ruhe zu kommen, da sie kurz vor einem Hysterie-Anfall zu sein schien, was ganz sicher nicht nur an der Situation lag, sondern ihrem leicht glasigen Blick und der etwas holprigen Gangart nach zu urteilen, auch an gewissen anderen Dingen, die ihr den Abend versüßt haben mussten.
Resolut wie sie nun mal war, ergriff Penny auch sofort die Hand ihrer besten Freunde, um sie vielleicht eine Spur zu grob mit sich zu zerren, ohne weiter auf Luke zu achten.

Lomy:

Fast hatte sie es geschafft, ein Finger hatte sich bereits unter die Maske gebohrt, hatte seine Haut gestreift (du wirst es nicht glauben, aber ich habe eben die Konjugation von Streifen nachschauen müssen. Ich hab immer gedacht, das heißt gestriffen… :/), eventuell einen kleinen roten Strich hinterlassen, aber das war ihr im Moment egal. Olivia wollte sein Gesicht um jeden Preis noch sehen. Blinder Ehrgeiz und auch ein bisschen Wut verleiteten sie dazu, fast grob mit ihm umzugehen. So war sie sonst nie. Aber sie schien bereits zu spüren, dass sie ihn nicht mehr kennenlernen würde. Verbissen hatte sie die Augenbrauen zusammengezogen, sodass eine kleine Falte zwischen ihnen erschien, die Lippen fest aufeinander gepresst. Doch genau in dem Moment, als sie die Maske nach oben schieben wollte, seine Augenpartie endlich zum Vorschein kommen würde, hörte sie eine wohlbekannte Stimme und ließ sofort von ihm ab. Ihr Gesicht verwandelte sich wieder, als würde ihr erst jetzt bewusst werden, wie sie gerade mit ihm umgegangen war. Doch Zeit, sich zu entschuldigen hatte sie nicht, denn Penny kam auf den Balkon gestolpert. Olivia sackte in sich zusammen, als sie bemerkte, wie ihre Freundin aussah. Sie hatte abermals ihr Versprechen gebrochen. Doch auch, darüber nachzudenken, erwies sich als nicht sehr langwierig, denn schon hatte Penny los gebrabbelt. Lediglich ein verwirrtes und erschrockenes »Mein Vater?« brachte Olivia noch heraus, bevor sie von ihrer Freundin in den heißen und stickigen Ballsaal geschleppt wurde. Sie drehte sich noch einmal um, sah Mr. Mysterious stumm an, bis er zwischen den Tänzern und anderen Gästen verschwand und fragte sich, ob sie ihn je wieder sehen würde, oder ob dieser gesamte Abend nur ein Traum gewesen war.

(hier kommt ein tj^^)
Kaum eine Stunde des Wochenendes verging, ohne dass Olivia an Mr. Mysterious dachte. Ihr Vater hatte sie an diesem Abend erwischt. Er hatte ihr verboten, das Haus zu verlassen und sie hatte es dennoch getan. Er hatte Penny nach Hause gefahren und sie rasend an ihre junge Mutter übergeben, diese dafür tadelnd, dass sie nicht besser auf ihre verantwortungslose Tochter aufpasste und ihr den Gebrauch von alkoholischen Substanzen gewährte.
Er verbot Olivia, weiter mit Penny befreundet zu sein, sie zu sehen, mit ihr zu sprechen. Sie war ein schlechter Umgang. So begründete er es.
Dies war der erste Abend seit langem, dass sie sich ihre Mutter wieder wünschte, als sie sich in ihr Bett warf, in ihr Kopfkissen weinte und nach langen Stunden des unruhigen Träumens erschöpft wieder aufwachte. Olivia durfte nicht mehr aus dem Haus. Wenn am Montag die Schule wieder anfing, würde ihr Vater sie pünktlich zu Schulende abholen, damit sie auch bloß nichts anderes machen konnte. Sie würde wie eine Gefangene sein. Er würde ständig nachsehen, ob sie noch da war. Wie lange dieser Zustand anhielt, stand noch in den Sternen. So lange, bis er müde wurde, sie zu kontrollieren, und das könnte noch andauern, bis sie erwachsen war.
Wie eine Leiche wandelte sie dieses Wochenende im Haus umher, holte sich ab und zu Erdnussbutter oder Nutella aus dem Kühlschrank, ein Eis aus der Tiefkühltruhe und verschwand dann wieder in ihr Zimmer, wo sie diese drei Substanzen pur löffelte und in Selbstmitleid versank. Sie hatte gehört, dass Penny einmal geklingelt hatte und sich bei ihrem Vater entschuldigt hatte, dass sie Olivia gerne sehen würde. Doch er wies sie strikt ab. Auch ihr Handy hatte Olivia oft in der Hand. Saß Stunden da und überlegte sich, ob sie etwas schreiben sollte, ob sie Mr. Mysterious, dessen Nummer sie ja bekommen hatte, anrufen sollte. Entschied sich dann aber jedes Mal dagegen.
Und dann war endlich Montag. Olivia war froh, dass sie endlich wieder aus dem Haus konnte, doch sie hatte Angst davor, den Menschen gegenüber zu treten, die ihr Vater beschimpft hatte, als er den Ball gestürmt hatte. Vor allem Penny. Als sie sich im Spiegel betrachtete, bevor sie gingen, fand sie selbst, dass sie schrecklich aussah. Aufgequollene Augen vom vielen Weinen, die Haare trotz dem Waschen strähnig und matt. Blass. Dünn. Selbst die schwarze Leggins und das lange bedruckte Oberteil aus der neuen Kollektion konnten dies nicht verbergen.
Die Autofahrt zur Schule war mehr als angespannt. Sie sprachen kein Wort, bis sie vor der Schule angekommen waren und er ihr viel Spaß wünschte. Sie nickte nur kurz, schlug die Autotür hinter sich zu und holte tief Luft, bevor sie sich umdrehte.
Sie ertappte sich dabei, sofort nach jemandem mit dreckig blonden Haaren Ausschau zu halten, doch als sie auf Anhieb niemanden sah, senkte sie den Kopf und machte sich auf dem Weg zu ihrem Locker.


 
 

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