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Ylvie Bjørnsdotter

Name: Ylvie Bjørnsdotter
Nickname: Ylvie
Age: 20

»I wake up in the morning and I wonder,
Why everything's the same as it was.
I can't understand, No, I can't understand,
How life goes on the way it does.«





»Ylvie, ich hab dich vermisst!« die pummeligen Kinderarme des kleinen Jungen wickelten sich um die Hüfte des Mädchens, sobald sie durch die Haustür getreten war. Sofort schlangen sich auch ihre schlanken Arme um seinen Oberkörper und bildeten dabei einen hübschen Kontrast zu dem weißen T-shirt, das er trug.
»Du solltest öfter nach Hause kommen!« bettelte ihr pausbäckiger Neffe, bevor Ylvie ihn spielerisch in die Nase zwickte. »Und du solltest weniger Süßigkeiten essen!« erwiderte sie schmunzelnd. Gespielt beleidigt zog der Kleine seine Arme zurück, verschränkte sie vor dem Oberkörper und rannte in Richtung Esszimmer.
Seufzend zog Ylvie ihren schweren Koffer hinter sich in das wunderschöne Haus, in dem sie aufgewachsen war. Hier hatten sich alle ihre Kindheitserinnerungen abgespielt. Alles, an das sie sich erinnern konnte. An dem Holzrahmen zum Beispiel hatten sie ihre Größe direkt neben der ihrer Geschwister gemessen. Im Vorbeigehen fuhren ihre Finger sanft über die schon verblassenden Zahlen. Oder dort, wo sie während des Spielens mit ihren Schwestern gegen eine Türe gerannt war und sich so schlimm verletzt hatte, dass es genäht werden musste. Unwillkürlich fasste sie sich an den Kopf, genau dort hinter dem Ohr, wo sie immer noch eine Narbe an die Schmerzen von damals erinnerten.
Ihren Koffer ließ sie im Gang stehen und lief mit einem tiefen Atemzug in das Esszimmer. Ihre Schwestern standen alle in der angrenzenden Küche. Die zwei Räume waren nur durch eine Küchentheke getrennt, also wurde sie sofort von den beiden inzwischen erwachsenen Frauen entdeckt. Sanft lächelnd kam ihre älteste Schwester, Marina, um die Ecke und schloss die Jüngere in eine feste Umarmung, die die gleiche Wärme und Zuneigung ausstrahlte wie die einer Mutter. »Willkommen Zuhause!« flüsterte sie in ihr Ohr. Als ihre zweite Schwester hinter der Küchentheke hervortrat, staunte Ylvie nicht schlecht. Ein bereits deutlich erkennbarer Babybauch lugte unter dem lockeren T-shirt hervor, die Haut dort heller als sonst.
»Warum hast du mir nichts gesagt?« fragte Ylvie leise, als sie Elsa in die Arme nahm.
»Ich wollte, dass es eine Überraschung ist.« traurig blickte sie in Ylvies Augen, kleine Tränen blitzten in den Augenwinkeln. Sie alle wussten, was in einer Woche für ein Termin auf sie wartete. Beinahe zu fest packte Ylvie ihre Schwester an den Schultern und blickte ihr tief in die Augen.
»Du wirst ein Los ziehen, ich bin mir sicher!« Zuversichtlich lächelte sie und bereitete ihre Arme aus, um ihre beiden liebsten Personen auf der ganzen Welt in eine weitere feste Umarmung zu schließen.
In dem Moment kam klein-Filip wieder um die Ecke gerast, diesmal im Schlepptau zweier Personen, die Ylvie schon ihr ganzes Leben lang zur Seite gestanden hatten: Ihre Eltern.
Sie musste die Tränen unterdrücken, als sie auf die beiden zulief und ihre sanften Berührungen sie sich wieder wie ein kleines Mädchen fühlen ließen.

Ylvie ist ein lebensfrohes, ruhiges Mädchen aus einem kleinen Dorf in Skandinavien. Sie kommt aus einer harmonischen Familie, wo Zusammenhalt und Liebe die größte Rolle spielt. Ihre beiden älteren Schwestern sind verheiratet, wohnen aber beide noch in ihrem Heimatdorf. Ylvie ist die einzige, die zum Studieren in das weit entfernte Oslo gehen wollte, um einmal Stadtluft zu schnuppern. Als sie von der Katastrophe hörte, wollte sie so schnell wie möglich nach Hause kommen, doch verschiedene Umstände ließen es nicht zu. Die Züge waren überfüllt, Flüge wurden gecancled und so schaffte sie es letztendlich erst eine Woche vor der Auslosung in ihre Heimat.
Ylvie hat eine eher laute Stimme, die sie aber selten als solche einsetzt. Wenn man sie ansieht, mit ihren braunen Locken und der exotischen Ausstrahlung, würde man sie eher als eine aufregende, mysteriöse, aber laute Person halten. Doch Ylvie mag es eh nicht, Vorurteile zu erfüllen. Deshalb hält sie die Lautstärke immer so gesenkt wie möglich, spricht nicht allzu viel und lässt sich auch sehr schwer aus der Ruhe bringen.
Was die Liebe angeht, so ist Ylvie sehr anspruchsvoll, was auch der Grund sein mag, warum noch keine Beziehung lange halten konnte. Sie sieht ihre Eltern, ihre glücklichen Schwestern mit ihren Männern und verlangt von einer Beziehung nicht weniger, als sie haben. Leider konnte noch niemand diesen Anforderungen entsprechen und auf lange Sicht waren sie alle zum Scheitern verurteilt gewesen. Doch jetzt spielte das sowieso keine Rolle mehr. Ylvie war sich sicher, dass das Schicksal so fair war, ihre Schwestern mit ihren kleinen Familien, ihrem Neffen und ihrem ungeborenen Kind auf die Endeavor zu lassen.
Doch es kam alles anders.

»Wenn ich meine Familie beim Essen beobachte - bei ihren Gesprächen, durcheinander und über den ganzen Tisch verteilt, sodass man Probleme hat, einem einzigen zu folgen – weiß ich, dass sie glücklich sind. Und ich bin es auch.
Das weiche Licht beleuchtet uns alle von oben. Elsa lacht, meine Mutter streichelt ihr über ihren gewölbten Bauch, während Marina ihrem Mann einen festen Kuss auf die Lippen drückt und Filip einen angeekelten Blick aufsetzt. Ich begegne dem Blick meines Vaters. Beinahe schwarze Altersflecken zieren seine braune Haut besonders um die Augen herum. Lachfalten haben sich für immer in sein Gesicht gekerbt. Er hebt sein Glas stumm zu mir, ich proste ihm durch die Luft zu und wir schmunzeln uns beide an. Wir wissen: Das Ende ist nah. Doch in diesem Moment spielt es keine Rolle.«



Die weichen Hände meiner Mutter liegen auf meinen Schultern. Ich spüre, wie sie sich anstrengt, nicht zu zittern. Mein Vater steht in der anderen Reihe, ein paar Meter neben uns, den kleinen eingeschüchterten Filip mit seinem Vater und meinem anderen Schwager hinter sich. Er und meine Mutter wechseln einen traurigen Blick. Ich habe sie gestern Nacht noch lange durch meine Zimmerwand Reden gehört. Mein Vater ist der erste, der einen Zettel zieht. Er wendet uns den Rücken zu, während er das kleine Zettelchen auffaltet, das er gezogen hat. Ich sehe, wie seine Schultern zusammen sacken, als er eine Hand zu seinem Mund hebt und sich wie in Zeitlupe zu uns umdreht, nur um leicht den Kopf zu schütteln, um uns so zu signalisieren, dass er kein Los gezogen hat. Der weiße Zettel fällt auf den Boden.
Ich beobachte stumm, wie meine gesamte Familie Zettel zieht, die keinen sich spiegelnden Streifen darauf haben und einer nach dem anderen zur Seite geführt wird. Als Filip seinen Zettel zieht und ebenfalls kein Los bekommen hat, bricht Marina zusammen. Elsa schluchzt laut, als weder sie noch ihr Ehemann eines ziehen. Das winzige Baby, das in ihrem Bauch heran wächst, wird nie das Licht der Welt erblicken.
Meine Augen sind trocken. Gestern bei unserem letzten Essen, beim Abschied nehmen von allem, unserem Haus, unserer Heimat, alles nur für den Fall, dass doch jemand ein Los zieht, habe ich so viel geweint, dass ich das Gefühl habe, dass ich nie wieder eine einzige Träne vergießen werde.
Am Ende sind nur noch meine Mutter und ich übrig. Bevor ich einen Zettel aus der Schale ziehe, drehe ich mich zu ihr um und wickle meine dünnen Arme um ihren weichen Bauch, genauso, wie ich es als Kind immer getan habe.
»Ich habe Angst!« gestehe ich ihr beinahe lautlos. Ihre Hände streicheln sanft über meinem Kopf, ihre Lippen küssen zärtlich meinen Scheitel, dann richte ich mich wieder auf und versenke meine Hand in der Schale. Sie ist so sauber, dass sich mein Gesicht darin spiegelt. Ich nehme einen tiefen Atemzug und öffne mit zitternden Händen das weiße Papier. Meine Mutter keucht hinter mir auf, meiner Schwester entfährt ein leiser Schrei. Denn mein Zettel ist nicht weiß. Nein, ein sich spiegelnder, kleiner Streifen verläuft über die Mitte und signalisiert so, dass ich ein Los gezogen habe.
Ein Soldat hat mich beobachtet. Er weiß, dass ich ein Los gezogen habe. Ich drehe mich hilfesuchend zu meiner Mutter um, doch der Soldat hat mich bereits bei den Schultern gepackt und auf die Seite gezogen.
»Du hast zwei Minuten!« sagt er ruhig. Beinahe abwesend öffnet meine Mutter den letzten Zettel für unsere Familie, doch auch er ist leer. Ich möchte schreien, ich möchte weinen. Doch ich stehe einfach nur da. Meine Arme hängen schlaff nach unten, zwischen den Fingerspitzen halte ich den Zettel, der mein Schicksal besiegelt, als wäre es das einzige, was mich aufrechterhält. Mein  Mund ist staubtrocken. Am liebsten hätte ich jetzt etwas zu trinken.
Erst als meine Schwestern, meine Mutter und mein Vater vor mir stehen, bricht etwas in mir auseinander und ich muss mich zusammenreißen, nicht einfach zusammenzuklappen. Meine Unterlippe zittert.
»Ich will nicht gehen! Nicht ohne euch!« will ich sagen, doch alles, was meine Lippen verlässt, ist undeutlichen Gebrabbel und dann kommen auch schon die Tränen. In den Armen meines Vaters bricht mein Herz vollends auseinander. Ich klammere mich fest an ihn.
»Papa!« Schluchzend. Die Tränen verschleiern meine Sicht auf alles um mich herum. »Gib es Filip, oder Elsa. Elsa. Ihr Baby!« Doch es ist zu spät. Der Soldat hat mich mit dem Zettel gesehen. Und tauschen war nicht erlaubt.
Ich verschlucke mich an meiner eigenen Traurigkeit, beinahe wird mir schwarz vor Augen. Ich muss husten und mir bleibt die Luft weg. Meine Familie steht um mich herum, alle nehmen mich nacheinander in den Arm, doch ich merke es kaum.
Als es Zeit ist für mich zu gehen und der Soldat bereits meinen Arm genommen hat, um mich wenn nötig, sogar mit Gewalt davon zu ziehen, beginne ich, mich zu wehren.
»Nein! NEIN!« ich schreie, ich kreische, ich schlage um mich. Doch der Soldat ist viel stärker. Meine Stimme überschlägt sich und ich sehe, wie mir mein Vater - mein starker Vater, der noch nie vor mir geweint hat - mit Tränen in den Augen winkt, meine Mutter in seinen Armen, bevor die mattweiße Tür vor mir zu geht und meine Familie für mich für immer verschwunden ist.

»Why does my heart go on beating?
Why do theres eyes of mine cry?
Don't they know it's the end of the world.
It endet when you said goodbye.«

- The End of the World – Skeeter Davis

 
 

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